Aktuelles Schuljahr
Ute Kaiser, Jutta Schär, Katrin Rebmann und Nathalie Rindt (vorne von links) erarbeiteten das pädagogische Konzept der Pilotphase für das Bildungszentrum. Bürgermeister Michael Scharf, Projektleiter Felix Schüle, Realschulrektor Sammy Wafi und Projektmanager Reinhard Müller (hinten von links) stehen für adäquate Rahmenbedingungen. Foto: Martha Weishaar   Auf den Weg zur Naturparkschule machen sich die Bonndorfer Schulen. Seit mehr als einem Jahr arbeitet eine Planungsgruppe vor Ort ein Rahmenkonzept aus. Am Montag, 2. Oktober, erfolgt der offizielle Startschuss für die Pilotphase. Im Rahmen eines Impulstages werden sich sämtliche Schülerinnen und Schüler sowie die Kollegien der Real-, Werkreal-und Förderschule auf den Weg machen, um ihr unmittelbares Umfeld aktiv zu entdecken. Gemeinsam mit Hauptinitiatorin Jutta Schär erstellten Ute Kaiser von der Realschule, Katrin Rebmann vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ – vormals Martin-Gerbert-Förderschule) sowie Nathalie Rindt, Konrektorin der Werkrealschule, erste Leitlinien für die Pilotphase.

Unterstützt wurden sie dabei von Felix Schüle als externem Projektleiter sowie Reinhard Müller als Projektmanager vom Naturpark Südschwarzwald. Seit 2011 bietet der Naturpark ein Bildungs- und Kooperationsprogramm an, auf dessen Basis Schulen Konzepte für die Weiterentwicklung zur Naturparkschule erarbeiten können.

Konzept setzt auch auf das direkte Umfeld

"Bonndorf liegt mitten im Naturpark Südschwarzwald und hat mit engagierten, aufgeschlossenen Lehrkräften einen geeigneten fachlichen Hintergrund für eine kompetente Natur- und Umweltausbildung", begründet Jutta Schär ihre Initiative. Unter anderem bietet das Bildungszentrum seinen Schülern seit mehr als zwei Jahrzehnten Naturerfahrungen in der Zeltplatzschule Öttiswald an. "Die jetzige Weiterentwicklung ist folgerichtig", zeigt sich die Diplompädagogin überzeugt. Zumal der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den aktuellen Bildungsplänen eine hohe Bedeutung zukommt. Schüler sollen ihr unmittelbares Umfeld bewusst wahrnehmen und erleben. Nicht allein die aktive Naturerfahrung wird gefördert. Vielmehr will man das Bewusstsein für komplexe Zusammenhänge sensibilisieren. Gesunde Ernährung spielt dabei ebenso eine Rolle wie Ressourcenverbrauch. Zudem wird das Wissen um verantwortungsbewusste wirtschaftliche Entscheidungen oder geschichtlich sowie gesellschaftlich relevante Hintergründe und Zusammenhänge gefördert. Das bedingt die Einbeziehung aller am Schulalltag Beteiligten, also auch der Eltern und Familien der Schüler, im erweiterten Sinn sogar der regionalen Verwaltung, Wirtschaft sowie Vereine.

"Wir müssen den Begriff Nachhaltigkeit auf das Tun im Alltag mit all seinen Auswirkungen runterbrechen. Damit können wir die Jugendlichen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen", fasst Jutta Schär das Hauptanliegen der Naturparkschule schließlich zusammen.

Vier weiterführende Schulen im Naturpark Südschwarzwald sind derzeit in der Pilotphase, und nicht nur Bürgermeister Michael Scharf hat den Ehrgeiz, dass das Bonndorfer Bildungszentrum landesweit eine der ersten Naturparkschulen sein wird. "Wir waren auch in der Vergangenheit immer wieder mal Modellschule, sei es im IT-Bereich, als bewegte Schule oder mit dem Plus-Programm", erinnerte Michael Scharf. Ihn freue besonders, dass bei den neuen Konzepten die Schüler im Mittelpunkt stehen. "Wir müssen etwas anbieten, was den Schülern ein bleibendes Rüstzeug auf den Weg mitgibt", zeigt sich der Bürgermeister von der Richtigkeit und Notwendigkeit der Entwicklung zur Naturparkschule überzeugt. Die richtigen Ideen zur richtigen Zeit bringen das nun auf den Weg. Reinhard Müller lobt die bisherigen Bemühungen der Schulen in Sachen Erziehung zur Nachhaltigkeit. "Hier war das Maß schon übererfüllt", würdigt der Projektmanager des Naturparks die Voraussetzungen der Pilotschule.

Katrin Rebmann führte Naturerkundungen in Öttiswald, Landschaftspflegemaßnahmen sowie den eigenen Schulgarten und das Schulwaldprojekt auf. Weitere Bausteine sieht sie in der regionalen und saisonalen Herstellung von Lebensmitteln sowie der müllarmen Vorbereitung von Mahlzeiten. Auf Streuobstwiesen oder einem etwaigen Getreidelehrpfad lassen sich weitere Ideen umsetzen. Derer braucht es viele, denn für die Pilotphase zur Naturparkschule gibt es kein festgeschriebenes Konzept. Vielmehr sollen sich unter Einbeziehung aller Schüler und Lehrer viele einzelne Bausteine entwickeln. Ein Bilderpuzzle der Aktionen, die am Montag stattfinden, dürfte weitere Ideen zeitigen.

Realschulrektor Sammy Wafi und Werkrealkonrektorin Nathalie Rindt sind schließlich beide davon überzeugt, dass dieses ambitionierte Projekt im Schulterschluss aller Beteiligten zu einem Erfolg und zum Nutzen der Schülerinnen und Schüler wird.

Badische Zeitung v. 30.09.2017