Aktuelles Schuljahr
Gespannt warten 624 Schülerinnen und Schüler, welche lehrreichen Erfahrungen ihnen der Impulstag bescheren könnte. Foto: Martha Weishaar   Moderne Heimatkunde erfuhren 624 Schüler des Bildungszentrums Bonndorf. Im Rahmen eines Impulstages erlebten sie hautnah etwaige Auswirkungen auf ihren Schulalltag, wenn das Bildungszentrum in naher Zukunft das Prädikat Naturparkschule haben wird. Bereits zur von Bürgermeister Michael Scharf angeregten Welle bei der Eröffnung des Impulstages war die freudige Erwartung für dieses schulische Experiment greifbar. Alsdann wuselte es im ganzen Stadtgebiet sowie angrenzendem Wald und Flur nur so vor Kindern und Jugendlichen.

Völkerverbindendes Fladenbrot buken die Jugendlichen Migranten der Vorbereitungsklasse. Foto: Martha WeishaarDie 29 Schulklassen erkundeten bei 24 Klassen- oder Stufenaktionen gemeinsam mit 70 Lehrerinnen und Lehrern sowie außerschulischen Partnern ihr unmittelbares Umfeld. Kreativität, handwerkliches Geschick, Sportlichkeit, Ausdauer und Sozialverhalten waren angesagt. Das Angebot war auf das Alter der Schüler abgestimmt und äußerst vielseitig, so dass wirklich jeder, egal welche Präferenzen er haben mag, lehrreiche und nicht minder interessante Erfahrungen machen konnte. Der Bürgermeister verschaffte sich gemeinsam mit Realschulrektor Sammy Wafi, Arno Messerschmidt vom Naturpark Südschwarzwald sowie Projektleiter Felix Schüle vor Ort einen Eindruck verschiedener Aktivitäten.

Projektarbeiten

Insbesondere die Teambildung stand bei den fünften Klassen im Vordergrund. Die einen strömten zu Gruppenexperimenten in den Japanischen Garten aus, während die bilinguale Klasse mit Theresia Schwenninger zum Brunnaderner Kreuz wanderte. Dort gingen die Mädchen und Buben mit Begeisterung daran, "Hütten" zu bauen. Ausnahmsweise war an diesem Tag das Mitbringen von Taschenmessern erlaubt und die wurden auch gebraucht, wenn Zweige zurechtgeschnitten oder Naturmaterialien für ein Mobile bearbeitet wurden.

Mandala aus Naturmaterialien - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Foto: Martha WeishaarEiner völlig anderen Aufgabe hatte sich eine Gruppe um Fritz Dietsche verschrieben. In den Produktionsräumen von Holzhaus Bonndorf baute diese eine Leonardo-Brücke. Staunen und Faszination machte sich auf den Gesichtern der Schüler breit, als sie bemerkten, dass die Bogenbrückenkonstruktion des genialen Erfinders aus dem 15. Jahrhundert tatsächlich hält.

Die sechsten Klassen wiederum erkundeten im Rahmen eines Stationenlaufs Facetten des Waldes. Beim Legen von Naturmandalas war ebenso Kreativität gefragt wie bei der Gestaltung von Baumgesichtern aus Lehm und Naturmaterialien. Wer sich beim nächsten Waldspaziergang am Hinterwiedenweg von Fußballstar Dante oder einem Schwarzwälder "beobachtet" fühlt, darf sich also nicht wundern. Auch in der Zeltplatzschule Öttiswald stand bei LandArt Kreativität im Vordergrund.

Beim Wandern in der Wutachschlucht gab es neben naturkundlichen Beobachtungen Gelegenheit, Wissenswertes über die illustre Geschichte des einst mondänen Kurbades Bad Boll zu erfahren. Einige Neuntklässler widmeten sich der Pflege der Roggenbacher Schlösser, andere besuchten den Baumlehrpfad am Schlüchtsee, während Zehntklässler sich in Naturfotografie übten oder beim Förster über Naturparkberufe informierten. Und selbst diejenigen, die Obst zum Mosten einsammelten, ließen sich vom einsetzenden Nieselregen nicht beeinträchtigen.

Derweil buken Migranten der Vorbereitungsklasse gemeinsam mit Müllermeister Daniel Blattert und Klassenlehrer Christopher Bäuerle Fladenbrot. Zeitgleich wurden unter Regie von Birgit Eske in der Schulküche dreierlei Suppen zubereitet. 271 hungrige Schüler hatten sich im Vorfeld angemeldet, so dass jede Menge Zutaten geschnippelt werden mussten.

Die einen basteln am Modell, die anderen an einer richtigen Leonardo-Brücke und bekommen eine Ahnung von der Genialität des Leonardo da Vinci. Foto: Martha WeishaarEiner völlig anderen Aufgabe stellten sich indes Power-Ranger. Sie suchen nach konkreten Energiesparmöglichkeiten. Sollte man PCs ausschalten, wenn keiner dran arbeitet, wie sieht es mit Fahrgemeinschaften der Lehrer aus, die von auswärts kommen, braucht es noch Overheadprojektoren und muss wirklich immer so viel Licht brennen? In Kürze war klar, dass es viele Ansätze gibt, Energie zu sparen. Bei diesem Projekt haben die Schüler sogar ein konkretes Erfolgserlebnis in Aussicht. Den Betrag, den sie binnen eines Jahres durch Energiesparmaßnahmen einsparen, bekommen sie vom Rathauschef zur freien Verfügung.

Bewertungen

Bereits der Impulstag zeigte, dass es beim Prädikat Naturparkschule um Komplexeres als Naturerfahrung geht. Als Vorteil erweisen sich die Größe des Bildungszentrums und die Tatsache, dass das Konzept in sämtliche Bildungspläne passt, also sowohl für Real- und Werkrealschule als auch das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum. Jutta Schär zeigte sich am Ende des erfolgreichen Einstiegs erleichtert darüber, dass alle gesund und munter zurückkehrten. "Da wurde viel Energie freigesetzt und viele sind mit unvorstellbaren Aktionen geradezu über sich selbst hinausgewachsen", zieht die Ideengeberin Bilanz und freut sich jetzt "auf die Fortsetzung dieses Prozesses, der jetzt Fahrt aufgenommen hat." Ihre Mitstreiterinnen im Vorbereitungsteam bewerten den Impulstag gleichsam positiv. "Heute habe ich erlebt, wie gut die Natur den Schülern tut", bilanziert Ute Kaiser. Ihre Kollegin Katrin Rebmann glaubt: "Es war ein so entspannter Tag, weil die Schüler sich darauf eingelassen haben."

Mehr Bilder im Internet unter http://www.badische-zeitung.de/bonndorf/fotos-impulstag-bildungszentrum-bonndorf-2017

Badische Zeitung v. 04.10.2017