| Nur die Liebe zählt Theaterstück Maria Bonndorf Eine besondere Theateraufführung erlebten Schüler der achten Klassen der Haupt- und Realschule Bonndorf und Wutöschingen. Das Schauspielerpaar „Duo QRage“ aus Ludwigsburg spielte in zwei Vorstellungen im Paulinerheim das Stück „Maria“. Dabei geht es um Liebesbeziehungen junger Menschen und deren Umgang mit Sexualität. von Annette Friedrich |
Kontinuierlich steigende Zahlen ungewollter Schwangerschaften im Teenager-Alter regten die Verantwortlichen des Verbandes Donum Vitae zur Überlegung an, wie man dieses Thema altersgerecht, breit anwendbar und gesprächsorientiert umsetzen könnte. Das Medium Theater schien bei diesem zeitlos aktuellen Thema bestens geeignet die junge Zielgruppe auf unkonventionelle Art zu erreichen.
Das Theaterstück „Maria" entstand in Kooperation zwischen dem Schauspielerduo „Duo Q-Rage" aus Ludwigsburg und der Arbeitsgruppe KMÖ (Kommunikation, Medien, Öffentlichkeitsarbeit) des Landesverbandes Donum Vitae Baden-Württemberg e.V.. Mit dem Stück soll keine Moral vermittelt werden, vielmehr soll „Maria" junge Menschen zu einer verantwortlich gelebten Sexualität und Partnerschaft hinführen.
Den Kontakt nach Bonndorf vermittelte die in Bonndorf-Wellendingen ansässige Hebamme Stefanie Zürn und ihre Kolleginnen von der Arbeitsgemeinschaft „Runder Tisch" aus Waldshut, die aus Mitgliedern von Caritas, Diakonie, Donum Vitae und Hebammen-Verband besteht. Die Hauptorganisation der Präventionsveranstaltung „Maria" lag jedoch in den Händen der Bonndorfer Realschullehrerin Ute Kaiser.
Insgesamt 170 Schüler kamen in den Genuss dieser außergewöhnlichen Theaterveranstaltung. Dabei passte es besonders gut, dass das Thema Verhütung parallel im Unterricht behandelt wurde. Am Dienstagvormittag war „Premiere" für die achten Klassen der Hauptschule Bonndorf. Um 14 Uhr fand die Vorstellung für die Achtklässler der Realschule Bonndorf und der Hauptschule Wutöschingen statt.
Im Stück „Maria" geht es vorwiegend um die Themen: Traumpartner, das erste Mal, Verhütung und Verantwortung. Erzählt wird die Geschichte von Maria und Dennis, die sich ineinander verlieben und noch nicht wissen, was es heißt, verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umzugehen. Das Theaterstück lebt vom Wechsel zwischen Video-Einspielungen und dem Bühnenspiel der beiden erfahrenen Theaterpädagogen Sandra Hehrlein, die Maria verkörpert und Jörg Pollinger, der als ihr Freund Dennis agiert. Die Videosequenzen zeigen eine Rückblende auf die vorhergehende Generation. Eva und Thomas erleben beide ein Gefühlschaos, als Eva nach dem „ersten Mal" ungewollt schwanger wird. Wie sich im weiteren Verlauf herausstellt, ist Eva die alleinerziehende Mutter von Maria. Durch die jugendgerechten und witzigen Dialoge zu den immer aktuellen Themen wie Liebe, Partnerschaft und Sexualität entsteht eine gelöste Atmosphäre, die es den Jugendlichen leicht macht, über diese schambehafteten Themen zu sprechen. Dies bot eine gute Basis für die Nachbesprechung des Theaterstücks in geschlechtsspezifischen Gruppen, die im Anschluss von Vertretern verschiedener kirchlicher Dienste wie Caritas und Diakonie, des Landratsamtes und von Donum Vitae in den Klassenzimmern der Realschule stattfand.
Hebamme Stefanie Zürn resümierte, dass die Resonanz von Seiten der Schüler und auch der Veranstalter sehr gut war. Bei der Nachbereitung wäre besonders positiv zu vermerken gewesen, dass alle Schüler bereits an Gruppenarbeit gewöhnt waren und durchweg eine offene und interessierte Atmosphäre vorherrschte. Die Schüler würden sich weitere Veranstaltungen dieser Art, eventuell auch zu anderen Themen, wünschen.
Donum Vitae
Donum Vitae (Geschenk des Lebens) wurde als bürgerlicher Verein von Laien am 24. September 1999 gegründet, um das katholische Element in der Schwangerschaftskonfliktberatung zu erhalten. Der Verein ist an über 180 Orten in Deutschland mit Beratungs- und Außenstellen vertreten. Jährlich werden etwa 33 000 Frauen, Männer und Paare, unabhängig von Nationalität oder Konfession, von Mitgliedern von Donum Vitae beraten. Laut statistischem Landesamt ist der Anteil der Schwangerschaftsabbrüche bei minderjährigen Frauen von 3,5 Prozent im Jahr 1997 auf 5,5 Prozent im Jahr 2004 gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 53 Prozent innerhalb von nur acht Jahren. 2005 gab es in Waldshut 41 Schwangerschaftsberatungen unter 18 Jahren.
© SÜDKURIER v. 26.04.2008