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Top-Sportlerin auf Rollstuhlrädern


Gestern in der Bonndorfer Realschule: Die Rollstuhlfechterin Esther Weber-Kranz

Mit begeistertem Applaus haben gestern Morgen die Mädchen und Jungen der Bonndorfer Realschule für den Besuch der Rollstuhlfechterin Esther Weber-Kranz gedankt. Die 33-jährige Top-Sportlerin engagiert sich für Behindertenrechte im Allgemeinen, aber auch für ihre Teilnahme am Sport.
Ergänzend zu einer - empfehlenswerten! - Schul-Ausstellung über behinderte Sportler war Esther Weber-Kranz mit ihrem kleinen Sohn Daniel in die Realschule gekommen. Mit flotter Rasta-Mähne, geschminkt und in schicker Sportkleidung vermittelte sie unspektakulär, dass Behinderte die gleichen Wünsche haben wie Nicht-Behinderte: "Als Mensch bleibe ich gleich", betonte sie. Man müsse Behinderte aus dem gesellschaftlichen Abseits herausholen. Unbedacht errichtete Barrieren machten ihnen das Leben unnötig schwer. Behinderte wollten ebenso tanzen oder ausgehen, müssten ihren Alltag in den Griff bekommen oder auf Ämter gehen.
Mucksmäuschenstill war es, als sie ihre Geschichte erzählte. Mit 15 Jahren wurde sie bei einem "Disco-Unfall" querschnittsgelähmt. Lange Monate war das sportlich schon zuvor sehr aktive Mädchen im Krankenhaus, bis sie nach Sportarten suchte, die sie auch im Rollstuhl pflegen konnte. Sie wurde beim Fechten fündig und trainiert beim SV Waldkirch und beim FC Tauberbischofsheim - der ersten Fecht-Adresse in Deutschland schlechthin.
Ihre Erfolgsbilanz ist beeindruckend: Die mehrfache deutsche Meisterin im Degen- und Florettfechten holte sich mehrfach Medaillen bei den Paralympics (den Olympischen Spielen der Behinderten, d. Red.), so etwa im Degenfechten in Sydney 2000 (Bronze/Einzel; Silber/Mannschaft) oder, in Atlanta 1996 (Bronze/Einzel; Silber/Mannschaft). Bei den Europameisterschaften in Paris gewann sie 1997 die Goldmedaille. Im Florettfechten gewann sie zuletzt bei den Paralympics in Sydney 2000 die Silbermedaille (Einzel) und die Bronzemedaille mit ihrer Mannschaft.
Trotz ihrer Erfolge ist die christliche Sportlerin erfrischend unkompliziert geblieben. "Ist das nicht gefährlich?" wollten die Kinder etwa neugierig wissen. Ein gewisses Risiko bleibe, erklärte sie. Durch Schutzkleidung und unter Beachtung der Regeln seien die Sportler aber gut geschützt.
Im Jahr 2004 will die gebürtige Waldkircherin noch einmal an den Paralympics in Athen teilnehmen. In Bonndorf hat sie sicher viele neue Fans dazugewonnen.
Beate Schierle


Text © 20.10.2001 SÜDKURIER GmbH